Lago Titicaca: Traditionelle Schilfboote. Ursprung der Inka-Legende auf der Isla del Sol. Meerschweinchen mal anders. Die schwimmenden Inseln der Uros.

Reisebericht Bolivien / Peru 2003
Lago Titicaca

23. März 2003

Bolivien, Lago Titicaca: Traditionelles Schilfboot der Uros
Traditionelles Schilfboot. Mit so einem Boot überquerte Thor Heyerdahl 1947 den Pazifik (und später auch den Atlantik), um zu beweisen, dass die Ureinwohner Amerikas aus Indonesien stammen.
 
Bolivien, Lago Titicaca: Isla del Sol
Die Ruinen auf Isla del Sol sind nicht sehr beeindruckend.
 
Bolivien, Lago Titicaca: Isla del Sol
Der Pfad über die Insel

Liebe Freunde,

am Morgen nach dem letzten Bericht habe ich die Isla del Sol besichtigt, sprich bin um halb neun zwei Stunden mit dem Boot bis zum Norden der Insel gefahren, und dann den Tag über bis in den Süden herunter gelaufen. Viel an Inkaruinen gab es nicht zu sehen, und das war auch im Vergleich zu dem, was ich aus Mittelamerika gewohnt bin (und was zudem um etliches älter ist, die Inkas sind erst kurz vor 1500 in Erscheinung getreten) nicht sonderlich spektakulär. Aber die Wanderung war schön, die Insel ist karrst, aber hübsch, auch wenn es etwas bewölkt war und wir deshalb nichts von dem angeblich spektakulären Blick auf die umgebenden Gebirgsketten hatten. Das war dann auch meine erste richtige Wanderung auf dieser Reise und das auf 4000m. Eine zuweilen doch atemberaubende Sache. Ich habe auf der Wanderung auch das erste Mal in meinem Leben eine Halo um die Sonne gesehen, also eine Art Regenbogenkreis in 15 Grad Abstand zur Sonne. Sieht nett aus, auch wenn mir gesagt wurde, dass manche Leute das als Unglückszeichen (Erbeben oder so) interpretieren. Im See geschwommen bin ich leider nicht, das hat sich nicht ergeben, obwohl das Wasser wunderbar aussieht und gar nicht so kalt ist.


Peru, Puno: Meerschweinchen
Ein Meerschwein ist eigentlich ein Wenigerschwein: satt wird man davon nicht.

Im Boot zurück bin ich auf drei Deutsche getroffen, die wie ich nach Puna in Peru wollten. Da es noch nicht so spät war, entschlossen wir uns, noch am gleichen Tag aufzubrechen. Und tatsächlich hatten wir gute vier Stunden später geschafft. Ich war extrem müde und hungrig, aber doch experimentierfreudig genug, um ein Meerschweinchen zu essen. Ich hoffe, es mir hiermit nicht mit großen Teilen der weiblichen Leserschaft zu verderben, und kündige gleich vorsichtshalber an, dass ich das nicht wiederholen möchte. Meerschweinchen schmeckt so ähnlich wie Hühnchen, aber Hühnchen ist eher schmackhafter, billiger und es ist deutlich mehr dran.


Peru, Titicacasee: Die schwimmenden Inseln der Uros
Die “schwimmenden Inseln” der Uros

Trotz Übermüdung ließ uns die Höhe alle nicht richtig schlafen und so kam es, dass wir um sechs Uhr morgens auf waren und uns auf den Weg zu den Uros machten, der Hauptattraktion von Puna. Die Uros sind Schilfinseln der Uhreinwohner des Titicacasees. Die benutzen und benutzten Schilffundamente für ihre Häuser. Als der Wasserspiegel des Titicacasees immer mehr anstieg, stockten sie diese Fundamente immer mehr auf, bis einzelne Häuser zu schwimmen anfingen und samt dem Haus auf den See hinaus trieben. Für ein Volk, das vom Fischfang lebt, ist das ja gar keine schlechte Option. Heute schwimmen die Inseln nicht mehr, die Häuser sind alle zu etwas größeren Gruppen zusammengefasst und die ca. zwei bis vier Meter dicken Schilfinseln stehen auf dem Seeboden in seichteren Regionen. Aber noch immer muss ständig aufgestockt werden, damit der See nicht alles überflutet. Aus dem Schilf wird hier alles gebaut, auch die Boote, die richtig toll aussehen und häufig Drachenköpfe und ähnliches haben. Um zu beweisen, dass die Bewohner Amerikas aus Indonesien kommen, hat Thor Heyerdahl 1947 mit so einem Boot eine Pazifik- (und später auch Atlantik-) Überquerung gewagt und geschafft.

Heute ist das Leben auf den Uros natürlich und leider vom Tourismus geprägt, etwa die Hälfte der Inseln (insgesamt gibt es noch etwa 250 Familien) empfängt Touristen. Wir waren die allerersten des Tages, was ein unglaublicher Vorteil war, denn später am Tag ist das angeblich ein richtiger Massenandrang. Wir hatten auch kaum einen Fuß auf die Inseln gesetzt, als einige Bewohner aus ihren Häusern kamen und ihre Souvenirstände aufbauten, uns Kinder bedrängten, ihre selbstgemalten Postkarten zu kaufen. Nach weniger als einer Stunde auf zwei Inseln machten wir uns auf den Rückweg, frühstückten erst einmal gut und stiegen dann in einen Minibus zur Grenze und von dort aus weiter nach La Paz. Peru ist glaube ich das erste Land, in dem ich mich weniger als 24 Stunden aufgehalten habe, werde dies aber sicher noch ausweiten, unter anderem, weil Machu Picchu, wohl der größte Inka-Komplex, ein Muss ist. Leider fehlt mir dieses Mal die Zeit dazu.

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© Volker Umpfenbach

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