San Pedro de Atacama: Valle de la Luna bei Nacht. Reiten im Valle del Marte / Valle de la Muerte und durch die Sandwüste. Die Geysire von El Tatio.

Reisebericht Chile 2003
San Pedro de Atacama – Teil 1

Nach der Besichtigung der Mine ging es weiter nach San Pedro, einem reinen Touristenzentrum in der Atacama Wüste. Man muss hier leider hin, da die Landschaft Wahnsinn ist und man alle möglichen Touren machen kann. Die entsprechend deutlich höheren Preise und die Massen an Touristen muss man leider hinnehmen (und ich war in der Nebensaison da!).

Gleich am ersten Abend ergab sich die Möglichkeit einer Nachttour zum Valle de la Luna (Mondtal) bei Vollmond. Wir haben die seltsame Landschaft bestaunt, die aus der Erosion von Salzgestein entstanden sein soll, sind in Höhlen gestiegen und auf kleinere Berge geklettert. Am Schluss ging es dann noch auf eine große Sanddüne und ich habe es mir nicht verkneifen können, mich erst ein Stück runterkugeln zu lassen und dann ein weiteres Stück in Dauerpurzelbäumen abzusteigen. Das war ja ganz witzig, und ich bin auch der Meinung, dass man so was mal gemacht haben muss, aber ich musste dann auch dringend duschen und in meinen Augen hielt sich der Restsand ganze 24 Stunden lang. Es reicht also, es EINMAL zu machen. Um halb zwei nachts waren wir dann zurück.

Chile, San Pedro: Reiten im Valle del Marte / Valle de la Muerte
Reiten im Valle del Marte / Valle de la Muerte

Am nächsten Tag war Reiten angesetzt und es ging in das nahe gelegene Tal Valle de la Muerte (Tal des Todes). Ein Teil der Fremdenführer hier behauptet, dass Tal habe eigentlich in Anlehnung an das Mondtal und in Bezug auf die dortige Landschaft eigentlich Valle del Martes, also Marstal geheißen, was aber diverse Touristen falsch verstanden hätten und bis sich dann der andere Namen durchgesetzt habe. Demzufolge versuchten nun die Fremdenführer verzweifelt sich Erklärungen für den Tod im Namen einfallen zu lassen, wie dass hier bei Viehtransporten für die Minen regelmäßig Tiere verendet wären. Die anderen Fremdenführer bestreiten diese Version allerdings und argumentieren, dass bis vor ganz kurzem ja noch gar niemand gewusst habe, wie es auf dem Mars aussieht … Der Kampf um die richtige Herkunft des Namens wird mit aller Verbissenheit geführt.

Ich habe an diesem Tag etwas gelernt, nämlich dass es mindestens zwei verschiedene Reitstile gibt. Was ich in Tupiza erfolgreich erprobt habe, war der Englische Stil. Nun gibt es aber auch den Amerikanischen Stil, der sich unter anderem auch durch die Art des Sattels unterscheidet. Wenn MANN jetzt versucht sein erlerntes Wissen des Englischen Stils mit so einem Sattel zu erproben, dann führt das zu einer schmerzlichen Erfahrung, und ich habe mir sagen lassen, dass dies im schlimmsten Fall sogar zu Prostataentzündungen führen kann … Kurzum, ich möchte bei nächster Gelegenheit lieber wieder den Englischen Stil probieren. Patrizia! Willst mich nicht mal mitnehmen? Hast a Pferd für mich? Und nen Englischen Sattel?

Die Landschaft war jedenfalls großartig, von Felsen umrahmte Sanddünen und man fühlt sich wie Lorenz von Arabien. Fast jedenfalls, das gesehene bestätigt mich nur in der Meinung, dass ich sobald wie möglich mal in eine richtige Sandwüste möchte. Am Nachmittag war ich dann aber so müde, dass erstmal nichts mehr ging.

Donnerstagmorgen hieß es um halb vier aufstehen und es ging zu einigen Geysiren. Im Unterschied zu den auf der Uyuni-Tour gesehenen war hier richtiges Wasser am Kochen und Spritzen und es stank nicht so gewaltig. Schoen, beeindruckend, wenn auch nicht umwerfend. Was ich am witzigsten fand, dass es zum Frühstück auch heißen Kakao gab, unser Führer bzw. Fahrer hatte die Tetrapacks einfach in einen der kleineren Geysire gesteckt. Ich spreche von HEISSEM Kakao, nicht lauwarm. Das konnten wir auch brauchen, denn es war schweinekalt.

Chile: Geysire von El Tatio
El Tatio
 
Chile: Geysire von El Tatio Chile: Geysire von El Tatio
 
Chile: Geysire von El Tatio
Die Führer nennen diesen sprudelnden Geysir “come turistas”, also “frisst Touristen”. Es sind schon ein paar reingefallen …
 
Chile: Geysire von El Tatio
… was daran liegt, dass die doofen Touristen für ein Foto alles riskieren und hinter die klar sichtbaren Absperrungen steigen. Ich würde das ja NIE machen.


Auch die Yareta ist geklaut – sichtbar von http://www.enjoyperu.com/

Auf dem Rückweg ging es noch zu einem winzigen Nomadendorf mit idyllischer kleiner Kirche und außerdem haben sie uns noch eine seltsame Pflanze gezeigt, die ich zwar schon oft gesehen hatte, aber immer für einen von Moos überwucherter Felsen gehalten habe, denn sie sieht so aus und ist auch so hart. Aber in Wirklichkeit handelt es sich um eine Pflanze, die Yareta, die nur einen Zentimeter im Jahr wächst und so gut brennt, dass sie fast ausgerottet wurde, da man damit das Erz in den Minen geschmolzen hat.

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© Volker Umpfenbach

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