Kurzbesuch in Puno am Lago Titicaca. Von dort mit einem leider sehr touristischen Zug nach Cusco. Erste Informationen zu Cusco und den Inkas.

Reisebericht Peru 2006
Über Puno nach Cusco

Sonntag war ein Reisetag, denn leider gibt es von Arequipa keine Nachtbusse nach Puno am Titikakasee (auf 3.800 Meter der höchste See der Welt, auf dem es eine richtige Schifffahrt gibt), wo wir am Nachmittag angekommen sind. Außer einem kleinen Ausflug zu einem Aussichtspunkt und ein paar Fotos vom See und der ganz nett gelegenen Stadt, war nichts mehr drin. Die Stadt selbst erscheint nicht sehr attraktiv und ist doch gleichzeitig touristisch, da sie der peruanische Anlaufpunkt für den Titikakasee ist und auch die erste peruanische Stadt, wenn man von Bolivien herüberkommt.

Weil ich 2003 schon einmal hier war (siehe Reisebericht Lago Titicaca, wegen dem Foto mit dem Meerschweinchen bekomme ich übrigens immer wieder böse E-Mails, z.B. mit der Behauptung, ich sei ein "Tierqueller"), war der Hauptgrund nach Puno zu kommen die Bahnverbindung nach Cusco. Diese Zugstrecke war mir wiederholt empfohlen worden, was ich mir vorgestellt habe, war ein möglichst alter Zug, mit vielen Einheimischen an Bord, der sich steile Berge hocharbeitet und der durch enge Täler und über klapprige Brücken über tiefe Schluchten fährt. Nun, ganz so war es nicht, ich wage auch zu bezweifeln, dass es so etwas noch gibt. Einheimische fahren gar nicht mehr mit dem Zug, da es mittlerweile viel schnellere Busverbindungen gibt. Dementsprechend war der Zug auch nicht alt und klapprig, sondern recht gepflegt, es gab nur bequeme Sitze mit Tischen, wenn man wollte sogar richtig ausgefeilte Menüs zum Essen. In der First Class wurde es sogar noch besser, aber auch viel teurer.

Peru: Zug von Puno nach Cusco
Zugfahrt von Puno nach Cusco

Das hätte ich ja noch verkraftet, aber leider war die Strecke auch nicht so, wie ich sie mir erhofft hätte. Erst ging es ein Stück am Titikakasee entlang, dann recht lang durch eine recht ebene Landschaft (die uns dann doch irgendwann auf den höchsten Punkt von ca. 4.300 Metern gebracht hat) und anschließend durch ein Tal, immer dem Fluss entlang bis nach Cusco (auf ca. 3.300 Metern). Das war durchaus alles recht hübsch, alles sehr grün. Der erste Teil war relativ karg, die Ebene war in weiten Teilen recht sumpfig, in den Wasserlachen und darum herum grasten Kühe, Schafe und andere Tiere. Der zweite Teil, das Tal, war von Landwirtschaft geprägt, das Tal war relativ weit und unten flach, offensichtlich mit genug Regen, guten Boeden und passenden Temperaturen. Wie gesagt, das war recht hübsch, aber unseren Eindrücken aus dem Colca Canyon konnte es bei weitem nicht das Wasser reichen. Wenn ich genauer gewusst hätte, was uns erwartete, wären wir wohl direkt von Arequipa nach Cusco mit dem Bus gefahren und hätten uns so einen Tag gespart. Solltet Ihr diese Fahrt irgendwann einmal machen, dann achtet darauf, auf der rechten Seite zu sitzen, da die Aussicht dort viel schöner ist.

Peru: Blick auf Cusco
Blick auf Cusco
 
Peru, Cusco: Plaza de Armas
Cusco – Plaza de Armas. Links die Kathedrale und recht die Jesuitenkirche. Rom wird das nicht gefallen haben.
 
Peru, Cusco: Kloster Santa Domingo auf den Grundmauern des Inka Tempels Qoricancha
Kloster Santa Domingo auf den Grundmauern des Inka Tempels Qoricancha (schwarze, mittlere Ebene)
 
Peru, Cusco: Plaza de Armas bei Nacht
Und nochmals die Plaza de Armas – bei Nacht

Cusco: Von dem was wir bisher gesehen haben, ist dies wohl die mit Abstand schönste lateinamerikanische Stadt ist, die ich bisher gesehen habe. Cusco ist die ehemalige Hauptstadt des Inkareiches. Als die Konquistadoren hier ankamen, fanden sie eine Stadt vor, die sich mit der Pracht spanischer Städte völlig messen konnte. Viele der hiesigen Gebäude sind auf alten Inka-Grundmauern gebaut, die nicht nur sehr hübsch sind, sondern auch ganz ohne Zement den zwei großen Erdbeben der letzten fünfhundert Jahre wesentlich besser standgehalten haben, als alles was danach gebaut wurde. Die Stadt ist bis heute sehr verwinkelt, es gibt enge Gassen, herrliche Gebäude und hübsche Plätze. Weniger als in anderen lateinamerikanischen Städten, in denen man schon froh sein kann, wenn man ein Haus findet, das einigermaßen alt aussieht (!), hat man hier den Eindruck, in einer Stadt mit Geschichte zu sein, die zumindest im Stadtzentrum nicht durch hässliche Neubauten verschandelt wurde. Ob hier alles so gepflegt ist, weil es unglaublich viele Touristen gibt, die Geld bringen, oder ob so viele Touristen hierher kommen, weil alles so gepflegt ist, lässt sich wohl nicht unterscheiden. Die Stadt an sich ist jedenfalls sehenswert, ist mehr als bloß ein Portal zu Machu Picchu. Aber natürlich hat die Sache auch Schattenseiten: Man kann hier als Gringo keine drei Meter gehen, ohne dass einem ein Restaurant nahe gelegt wird, dass jemand irgendetwas verkaufen möchte oder auch einfach nur um einen Sol bettelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Menschen in dieser fruchtbaren Gegend mit viel Tourismus besonders arm sind, trotzdem ist es die erste Stadt, in der wir sind, in der viel gebettelt wird. Und auch Überfälle und Diebstähle scheinen besonders in der Hochsaison an der Tagesordnung zu sein.

Für uns war der Dienstag mal wieder ein Organisationstag. Die öffentliche Touristeninformation kann man wirklich in der Pfeife rauchen, dort haben wir so gut wie nichts erfahren. Ganz anders hingegen war ein Besuch bei der NGO South American Explorers, wir sind hier sehr gut beraten worden. Es stellt sich leider heraus, dass zwei Teile, die wir uns fest vorgenommen hatten und die quasi zum Pflichtprogramm aller Peru-Reisenden gehören, nicht möglich sind: Der Inka-Trail, eine viertägige Wanderung auf den Pfaden der alten Inkas bis nach Machu Picchu ist für den gesamten Februar geschlossen. Nun, hätte ich das vorher gewusst (bzw. meinen Reiseführer gründlich genug gelesen), dann hätte ich die Reisedaten auch nicht anders gelegt bzw. legen können. Auch ein Besuch im Dschungel wird nicht möglich sein bzw. wäre nicht das, was wir uns davon versprochen hätten: Es regnet zur Zeit quasi ununterbrochen, was nicht nur bedeutet, dass man kaum hinkommt bzw. sich im Dschungel nicht richtig fortbewegen kann, sondern auch dass man kaum ein Tier zu Gesicht bekommen würde. Unser sehr enger Zeitplan lockert sich somit ein wenig.

Wir sind außerdem noch spazierengegangen, haben es uns gut gehen lassen und waren im Museo de Arte Precolombino, wo es wirklich unglaubliche und vor allem völlig erhaltene Stücke aus der Pre-Kolumbianischen Zeit zu sehen bekommt. Leider ist davon auf der Homepage nicht viel zu entdecken, besonders die völlig umwerfenden Stücke der Mochica kommen dort kaum zur Geltung.

Peru: Mochica Vasen
Mochica Vasen © Museo de Arte Precolombino

Für Mittwoch hatten wir eine Raftingtour angesetzt, aber leider ist daraus nichts geworden. Hier in der Gegend gibt es wohl Erdgas, aber das geht vollständig nach Lima, während die Einheimischen enorme Preise für Gas zahlen müssen. Aus diesem Grund (und vielleicht noch weiteren) wird hier heute demonstriert, hauptsächlich von den Bauern der Umgebung. Demonstration heißt nicht nur, dass Unmengen von Menschen mit Plakaten um die Plaza de Armas (den Hauptplatz, das Zentrum) ziehen, sondern dass auch sämtliche Strassen aus bzw. in die Stadt blockiert sind. Uns bleibt also nichts als ein ruhiger Tag, vielleicht werden wir uns noch ein paar zentral gelegene Sehenswürdigkeiten ansehen. Und ich schreibe diesen Bericht endlich fertig, nachdem ich vorhin zwei Stunden verloren habe, weil der Computer abgestürzt ist und dann beim Neustart gleich meine Sicherungskopie gelöscht hat.

Mit besten Grüßen aus Cusco

Volker

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© Volker Umpfenbach

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