Besuch der Islas Ballestas und des Nationalparks Paracas. Exkurs zur Bedrohung der Artenvielfalt.

Reisebericht Peru 2006
Paracas und Islas Ballestas

Peru: Küste bei Paracas
Die trockene Sandstein-Wüsten-Küste von Peru

Weiter ging die Reise ein kleines Stück zurück zur Hafenstadt Pisco und von dort aus in das See-Ressort Paracas. Auch wenn das nur etwas über 50 Kilometer von der Oase aus sind, kann so eine Reise hier schon einen halben Tag dauern, denn die Busse sind zwar im Vergleich zu Bolivien oder Guatemala recht luxuriös, aber trotzdem langsam, oft verspätet und man wartet bei jedem Umsteigen auf den Anschluss.


Peru: El Candelabro de Paracas
El Candelabro, ein riesiger Geoglyph in der Küste von Paracas, der meiner Information nach gar keinen Leuchter sondern einen Kaktus darstellt. Leider weiß ich nicht, wie alt er ist. Kann mir jemand helfen? Umstritten scheint auch die Funktion: Fruchtbarkeitsritual oder Navigationshilfe für Seefahrer?


Peru: Las Islas Ballestas - Paracas
Las Islas Ballestas

Der Hauptgrund, nach Paracas zu kommen, ist das dortige Naturschutzgebiet, das eine Halbinsel von vielleicht zwanzig Quadratkilometer sowie die umliegenden Gewässer mit einigen Inseln umfasst. Wir sind also recht früh am nächsten Morgen am Hafen gewesen und mit einem kleinen Boot zusammen mit 20 anderen Touristen, Bootsführer (Kapitän wäre wohl übertrieben) und Führer zu den Islas Ballestas gefahren. Diese Inseln sind von der Erosion durch Wind (Paracas bedeutet Sandsturm) und Wasser zerfressene Felsen, der Name Ballestas bedeutet Torbogen, was Euch mit etwas Phantasie reichen sollte, um Euch die Inseln vorstellen zu können. Diese etwas surrealen Gebilde sind über und über mit Seevögeln bevölkert. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann gibt es nirgends sonst auf der Welt so viele verschiedene Arten an einem Ort.

Peru: Las Islas Ballestas - Paracas
Unmengen an Vögeln und durch nichts aus der Ruhe zu bringende Seelöwen


Peru: Las Islas Ballestas - Paracas
Guano Verladerampe – Wie gut, dass Fotos nicht stinken.

Viele dieser Arten sind natürlich vom Aussterben bedroht. Seit wann ist das so? Erstaunlicherweise (oder auch nicht) hat die Sache schon mit der Ankunft der Spanier in Peru (um 1540) begonnen, als man die Eier der Seevögel als Baumaterial (!) für die Fundamente von Festungen und Kirchen verwendete. Der nächste wohl einschneidende Schritt war die Entdeckung, dass Seevogelscheiße nicht nur hässliche Flecken macht, sondern ein hervorragender Dünger ist. Man hat das dann wohl aus Marketinggründen von Seevogelscheiße in Guano umbenannt. Jedenfalls wurde das Zeug am Anfang das ganze Jahr über eingesammelt, egal ob die Arbeiter dabei die Vögel beim Brüten gestört haben oder gar Nester und Eier zerstört haben. Heute hat man wenigstens eingesehen, dass das so nicht geht. Guano wird immer noch abgebaut, aber auf jeder Insel nur einmal alle paar Jahre und dann bleiben die Arbeiter immer nur einige Monate auf einer Insel und ziehen dann zur nächsten weiter. Ich vermute, dass die Arbeiter einen Titel wie "Guano Extraction Manager" haben und dass auch das nur ein Marketingtrick ist, um junge, ahnungslose Peruaner anzuwerben 😉 Die wohl aber schlimmste Bedrohung der Vögel ist die Überfischung der Meere, da das Futter immer weniger wird.. Man weiß ja, wie das funktioniert: Man fängt erst die großen Fische. Gibt es keine mehr, macht man die Maschen des Netzes enger und fängt kleinere Fische und immer kleinere, bis es keine Tiere mehr gibt, die sich überhaupt noch fortpflanzen können. Hier vor der Küste werden heute fast nur noch Sardinen und Sardellen gefangen. Und was macht man damit (für 1 Tonne erhalten die Fischer ca. 60 Dollar)? Man macht Fischmehl draus und füttert damit dann Lachsfarmen, Legehennen und was weiß ich noch. Muss ich dazusagen, dass sich die Fischmehlfabriken nicht in peruanischem Besitz befinden?

Stopppp! Dies ist ein Reisebericht und kein Ökoforum, der Ausflug war toll und es hat auch gar nicht so sehr gestunken. Außer den Felsformationen und Seevögeln (inkl. Pinguinen) gibt es auf den Inseln noch ganz viele Seelöwen. Auch Seelöwenbabys haben wir gesehen, eines das mit seiner Mutter beim Schwimmen war … und wir mussten entdecken, dass ein männlicher Seelöwe (dreimal so schwer wie die Weibchen) versuchte, das wohl ebenfalls männliche Junge zu töten. Mit dieser Methode erreichen die Männchen dann die „Traumquote“ von 16 Weibchen pro Männchen. Ob die Mutter bei ihren verzweifelten Versuchen, das Junge zu retten, letztlich Erfolg hatte, wissen wir nicht.

Auf dem Rückweg ging dem Boot übrigens der Sprit aus: Wer so etwas schlimm findet, möge bitte nicht durch Lateinamerika reisen.

Anschließend ging es weiter auf die Halbinsel Paracas, die fast nur aus Wüste besteht. Wir haben uns auch hier wieder sehr schöne Felsformationen an der Küste angesehen, in der Entfernung Delfine gesehen (gutes Fernglas mit auf Reisen nehmen!!!) und dann ging es weiter in ein kleines Fischerdorf, in dem die ganzen Busse die Touristen zum Mittagessen absetzen. Das Essen war folglich völlig überteuert, schlecht fand ich es auch noch, aber die Landschaft war recht bezaubernd.

Peru: Felsformation "La Catedral" im
	  Paracas Nationalpark
Felsformation "La Catedral" im Paracas Nationalpark
 
Peru: Fischerdorf Lagunilla - Paracas
Das sehr idyllische Fischerdorf Lagunilla – das Essen dort ist nicht zu empfehlen.

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© Volker Umpfenbach

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