Strapaziöse Fahrt von Nazca nach Arequipa. Stadtbesichtigung Arequipa. Organisation der Fahrt in den Colca Canyon und Aufbruch dorthin.

Reisebericht Peru 2006
Arequipa und Fahrt zum Colca Canyon

23.02.2006

Liebe Freunde,

Peru: Alpacas in der Nähe von Arequipa
Alpacas in der Nähe von Arequipa

stellt Euch vor, es hat geklappt, unser Bus ist (fast) pünktlich abgefahren und sogar vor Fahrplan in Arequipa angekommen. Leider war der Bus zwar superneu und auch gut, aber ein "Semi-Cama" (Halb-Bett), was bei uns eher ein ganz normaler Reisebus wäre, also mit Sitzen, die man neigen kann, zusätzlich mit hochfaltbaren Fußlehnen, im Gegensatz zu "Cama", wo man einen breiten und sehr stark neigbaren Sitz hat, ungefähr wie Business Class auf Langstreckenflügen. Das Ganze dann auf einer sehr kurvenreichen Strecke … ich habe schlecht bis gar nicht geschlafen, obwohl der Bus so leer war, dass ich mich über eine Reihe quer hinlegen konnte und nur gelegentlich gestört wurde, wenn jemand durch rüde Stöße gegen meine Beine klarmachte, dass er jetzt gerne durch den Gang wollen würde … Entsprechend müde sind Ingrid und ich nach zehn Stunden in Arequipa angekommen und haben uns im Hotel erst einmal hingelegt.

Peru: Arequipa - Die Weiße Stadt
Arequipa – Die Weiße Stadt

Arequipa, auf ca. 2.400 Meter gelegen, ist eine der ältesten Städte Perus und war lange Zeit ein wichtiges Handelszentrum für die spanischen Kolonien. Heute ist es mit einer Millionen Einwohnern die vermutlich zweitgrößte Stadt Perus. Prägend für das Stadtbild sind zum einen der koloniale Baustil, der immer noch in weiten Teilen der Stadt vorherrscht, zum anderen ein weißes Vulkan-Gestein (so was gibt’s anscheinend), dass als Baumaterial verwendet wurde (z.B. für die meisten Kirchen und Paläste) und Arequipa den Beinamen "Die weiße Stadt" eingebracht hat. Wir haben uns mal wieder eine Stadttour gegönnt, diesmal in einem Minibus, was den Vorteil hatte, dass wir den Führer quasi für uns allein hatten, aber den Nachteil, dass man aus den Fenstern nur sehr wenig gesehen hat. Zum Glück haben wir an etlichen sehr schönen Stellen gehalten, konnten uns genauer umsehen und Fotos machen. Weitere Zeit hat die Organisation unserer Tour zum Colca Canyon (siehe unten) in Anspruch genommen.

Peru: Vicuñas vor einem Vulkan
	  zwischen Arequipa und dem Colca Canyon
Vicuñas vor einem Vulkan zwischen Arequipa und dem Colca Canyon
 
Peru: Junge mit Baby-Lama
In Peru kosten viele Dinge einen Sol (ca. 25 Cent), z.B. dieses Foto mit Jungen und Baby Lama

Der Colca Canyon ist wohl "der" Grund für die meisten Touristen nach Arequipa zu kommen, laut Reiseführer einer der tiefsten Canyons der Welt, über zwei Kilometer tief, doppelt so tief wie der Grand Canyon (wie auch immer man das misst). Was heißt eigentlich Canyon? In den Teilen, die wir gesehen haben, ist es eher ein Tal, möglicherweise wird er noch weiter hinten zur richtigen Schlucht, aber ich greife vor. Wir hatten uns bei verschiedenen Anbietern erkundigt, waren mit den jeweils weitgehend identischen Angeboten aber nicht so wirklich zufrieden. Die Standardtour ist ein Paket, bei dem man morgens mit einem Touristen-Bus losfährt, sich bis zum Mittag verschiedenste Landschaften auf dem Weg zum Tal ansieht, anschließend in Chivay, in der Spitze des Tales (also dem Ursprung des Colca Flusses), isst, bei manchen Touren eine kleine Wanderung macht, in thermalen Quellen badet, wenn man es möchte eine Touristen-Folklore-Show mit traditionellen Tänzen ansieht, in Chivay übernachtet, am nächsten Morgen sehr früh ohne große Stopps weiter in das Tal hineinfahrt, um sich für eine halbe Stunde oder etwas mehr, an den Aussichtspunkt Cruz del Condor zu stellen und hoffentlich Kondore zu sehen, und dann wieder zurückfährt, evtl. mit noch ein paar Stopps und evtl. mit noch einem Spaziergang. Beim Trekkingpaket hingegen, fährt man um HALB EINS NACHTS MIT EINEM OEFFENTLICHEN BUS los, verbringt eine entsprechend schlaflose Nacht, um dann zweieinhalb Tage durch das Tal zu wandern.

Die Standardtour erschien uns viel zu gehetzt. Die Trecking-Tour hat uns von den Anreisemodalitäten abgeschreckt. Nur mit dem normalen Bus kann man nicht an schönen Orten halten, um sich umzusehen und Fotos zu machen. Ein Auto zu mieten und selbst los zu fahren, wäre recht teuer geworden, da man einen Jeep gebraucht hätte, zumindest für den Fall, dass es wieder Regen gegeben hätte. Außerdem ist es nicht schlecht, einen Führer zu haben, der einem ein bisschen was erklärt und einen auf Dinge hinweist, die einem auf den ersten Blick nicht auffallen.

Und das haben wir draus gemacht:

Peru, Colca Canyon: Frauen in tradtioneller Kleidung
Traditionelle Kleidung der Frauen im Colca Canyon. Mich würde interessieren, wie es dazu gekommen ist, dass sich diese komischen Hütte in die Tracht eingeschlichen haben.

Wir haben erst einmal das Standard-Paket gebucht und haben das ganze Programm (bis auf die Folklore-Show) mitgemacht. Der Weg nach Chivay bringt einen bis auf fast 4.000 Meter, weshalb den Touristen auch dringend empfohlen wird, Coca zu kauen, damit einem nicht schlecht wird. Wie man das macht, erklärt einem aber niemand. Zum Glück, bin ich inzwischen Coca-Experte (vgl. meinen Reisebericht aus La Paz). Also Stängel der Blätter abreisen, einige Blätter aufeinander legen, eine ganz kleine Menge von dem komischen Zeug drauf, das man braucht, um im Mund ein alkalisches Milieu zu erzeugen, zusammenfalten und in die Backe schieben. Resultat: Ich hab gar nichts gemerkt, aber immerhin ist mir nicht schlecht geworden, weder vom Coca noch von der Höhe.

Zum nächsten Reisebericht

http://volker.umpfenbach.de/
© Volker Umpfenbach

Pfeil nach oben nach oben