Die geheimnisvollen Linien von Nazca: Symbole, Geraden, Tierfiguren und ein "Astronaut". Uralte Bewässerungssysteme, die bis heute in Betrieb sind. Abenteuer mit Bussen.

Reisebericht Peru 2006
Nasca

Peru: Die Linien von Nazca
Die Linien von Nazca: der reinste Weltraumbahnhof.
 
Peru: Mit dem Flugzeug über die Linien von Nazca
Mein bisher kleinstes Flugzeug (4 Plätze) und auch das erste mal, dass ich direkt neben dem Piloten saß.

Mit diversen Bussen ging es dann vom Parque Paracas bis 200 km weiter südlich in die Stadt Nazca, das erste Mal etwas weiter weg von der Küste, auf 600 Meter gelegen. Nazca ist berühmt wegen seinen riesigen Figuren, Linien und Symbole, die die Ureinwohner zwischen 800 v. Chr. und 600 n. Chr. auf der umgebenden Hochebene hinterlassen haben. Richtig sehen kann man das nur vom Flugzeug und da Ingrid nicht wollte, habe ich den Rundflug am nächsten Morgen allein gemacht. Wir sind leider relativ hoch geflogen, der Tower gibt vor, ob das jeweilige Flugzeug in 100, 200 oder 300 Metern fliegen muss. Über jeder Figur dreht das Flugzeug Kreise, dass sowohl die Passagiere auf der linken, als auch auf der rechten Seite alles sehen und fotografieren können. Alle Passagiere heißt in diesem Fall drei Passagiere, ich saß neben dem Piloten. Der Flug dauerte ca. 30 Minuten. Direkt vor mir war im Cockpit ein Zettel angebracht, dass Kunstflug mit dem Flugzeug bis auf ein paar explizit aufgeführte Figuren verboten sei. Ich habe versucht, den Piloten dazu zu überreden, etwas von den erlaubten Figuren mit uns zu fliegen, aber er hat leider abgelehnt.

Man sieht kilometerlange Linien, Symbole, Pfeile, die wie überdimensionale Fahrbahnmarkierungen aussehen sowie Tierfiguren (Affe, Hund, Spinne, Kolibri, Kondor, Wal, Flamingo …), einige bis mehre hundert Meter groß, und ein winkendes Männchen. Letzteres wird "El Astronauta" genannt, denn es ist völlig verständlich, dass diese Symbole und Linien, die teils wie Landebahnen aussehen und auch fast ausschließlich aus der Luft betrachtet werden können, der Ufo-Fraktion quasi "Beweise" für die Existenz von Außerirdischen geliefert haben.

Peru: Nazca Linien - der Astronaut
Der Astronaut
 
Peru: Nazca Linien - der Affe
Der Affe
 
Peru: Nazca Linien - die Spinne
Die Spinne
 
Peru: Nazca Linien - ein Vogel
Ein Vogel – Welche Art von Vogel das sein soll, variiert von Quelle zu Quelle

Das Erstellen dieser Linien und Figuren war wohl immense Handarbeit, für die folgende Techniken verwendet wurden:

Der Astronaut ist als einzige Figur in einen Felshang gemeißelt.

Peru: Die Nazca Linien
Hier sieht man Technik 1 und 2. Diese spitz zulaufende Linie ist am breiten Ende ca. 20 Meter breit. Der Boden, der die Linie darstellt, ist von Steinen befreit worden, die Kanten sind durch hintereinander gelegte Steine hervorgehoben.


Peru: Die Nazca Linien - ein Graben
Die dritte Technik: Ausheben von kleinen Gräben. So sind die meisten Tierfiguren gemacht.

Zu den Theorien:

Die Ufo-Leute werden ohne Beweise dran glauben, alle anderen nicht.

Manche halten die Linien für einen riesigen Kalender, aber Computerauswertungen haben keine signifikanten Übereinstimmungen gefunden.

Was derzeit am plausibelsten ist:

Die Nazca-Hochebene ist extremst trocken. Wenn es in den umliegenden Bergen nicht regnet, gibt es kein Wasser, um die Felder zu bewirtschaften (es hat z.B. vor einer Woche das erste Mal seit fünf Jahren geregnet). Die Linien scheinen eine Art zeremonieller Wanderweg zu sein: Die Nazcas mussten hier in exakt geraden Linien laufen, um die Götter zu beschwichtigen. Die Tier-Figuren sind so gemacht, dass sie ein durchgängiger Weg sind, man läuft und nimmt dabei die den Tieren zugesagten rituellen Kräfte auf. Außerdem weisen die Linien auf die Berge, von denen hoffentlich das Wasser kommt bzw. sie weisen auf Miniatur-Berge, die quasi eine Karte der tatsächlichen Berge sind. Diese Theorie wird gestützt durch Untersuchungen, die zeigen, dass die meisten Figuren während einer 40 jährigen Dürre entstanden sind, die eventuell durch El Niño ausgelöst wurden. Aber natürlich gibt es auch bei dieser Theorie ein paar ungeklärte Fragen.

Das Meiste des eben Gesagten habe ich einem BBC-Video entnommen, das nach dem Flug gezeigt wurde. Mit erheblichen Verzögerungen aus allen nur denkbaren und undenkbaren Gründen hat dieser eigentlich ganz kurze Ausflug dann doch über drei Stunden gedauert.

Peru: Aquädukt bei Nazca
Ein Aquädukt, der schon vor den Zeiten der Inkas gebaut wurde uns seither in Betrieb ist.

Am Nachmittag haben wir noch eine kleine Privat-Tour bekommen und sind zu zweit mit einem Führer erst zu einem Ort gefahren, wo man sich eine der Linien und ihre Machart (hier Steinlegen und Saubermachen) aus der Nähe ansehen konnte. Wir hatten wirklich Glück mit unserem Führer, da er eine Menge wusste und uns viel erklärt hat. Anschließend ein Aquädukt, mit dem die Nazcas seit 1600 Jahren das Grundwasser zur Bewässerung der Felder benutzen und das im Wesentlichen unverändert immer noch in Betrieb ist. Gerade sind hier alle wegen des Regens überglücklich. Die Felder werden bewässert und in ca. einer Woche wird hier alles wunderbar grün sein. Hauptsächlich wird hier wohl Baumwolle angebaut. Am Schluss der Tour haben wir noch ein paar relativ schlecht erhaltene Inka- und Nazca-Ruinen besichtigt.

Ein sehr schöner Tag, das Wetter ist übrigens herrlich. Die restliche Zeit und vor allem das Warten auf den Nachtbus um 0:30 Uhr nach Arequipa habe ich mit diesem Bericht verbracht. Dabei dachte ich, dass ich mich bei dieser Reise gaaaaanz kurz fasse.


Peru: Aquädukt bei Nazca
Ingrid in einem der Belüftungsschächte des unterirdischen Aquädukts. Da jedes Jahr Arbeiter in den Kanal müssen, um ihn sauber zu machen, muss dort natürlich Sauerstoff hinkommen. Das Loch und der Schacht sind uralt, aber die Schnekenhaus-artige Befestigung und die Treppe sind erst in jüngster Zeit entstanden.

Dann wurde es nochmals turbulent. Wir waren quasi bettfertig als wir bei Ormeño, der Busgesellschaft, ankamen und somit traf uns die Nachricht, dass der Bus mit Motorschaden auf der Strecke geblieben sei und dass es keine weiteren Busse in dieser Nacht gäbe, völlig unvorbereitet. Es folgte sehr viel Hektik, denn wir haben sofort alle anderen Busgesellschaften abgeklappert, um noch eine Alternative zu finden. Ein Bus hätte tatsächlich noch zwei Plätze gehabt, der Fahrer hat sich aber geweigert, die drei Minuten zu warten, bis Ingrid, die gerade das Geld von Ormeño zurückholte, wieder da war. Der Nachtportier und Nachtwächter unsere Hotels waren superlieb und haben sich enorm für uns eingesetzt. Kurz haben wir überlegt, ob wir die Reisepläne ändern und nach Cusco weiterfahren, von wo aus man zur Inkafestung Machu Picchu kommt, falls es da noch einen Bus gibt. Wir sind sogar mit einem Taxi dorthin gefahren, wo diese Busse abfahren. Uih, war das dunkel und unheimlich. Der Taxifahrer war auch sehr seltsam. Welch Erleichterung, wieder zurück beim Hotel zu sein! Die Änderung der Route hätte aber auch keinen Sinn gemacht, da wir mit viel zu wenig Gewöhnungszeit in zu große Höhe gekommen wären, wir somit spätestens beim geplanten Inka-Trail, einer mehrtägigen Wanderung auf den alten Wegen der Inkas hin zu Machu Picchu, Probleme bekommen hätten. Wir haben dann noch auf ein paar Busse einer anderen Gesellschaft gewartet, um zu sehen, ob da noch was frei ist, aber leider nein. Als kleines Sahnehäubchen haben wir im Hotel beim Einchecken um zwei Uhr nachts jemanden getroffen, der gerade mit einem Ormeño-Bus angekommen war … es wäre also doch noch einer gefahren (der tagsüber für fünf Stunden kaputt auf der Strasse stand). Was lerne ich hoffentlich draus? Gerade beim letzten Bus rechtzeitig vorher nachfragen, ob alles in Ordnung ist bzw. ggf. dreimal nachfragen, ob nicht doch noch einer kommt.

Mir hat das ganze wenigstens Zeit gegeben, die englische Version meines Berichts zu Ende zu schreiben. Zur Abwechslung also ein ruhiger Tag, ganz ohne Programm. Und wir warten jetzt natürlich darauf, dass unser Bus fährt, diesmal schon um 22:30 Uhr und mit einer anderen Gesellschaft (tagsüber gibt es auf dieser Strecke nichts bzw. man würde den Tag einfach auf der Strasse verlieren).

Beste Grüsse aus Peru

Volker

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© Volker Umpfenbach

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