Reisebericht Tansania 2009
Kritischer Rückblick

Diese Reise war nicht wie viele meiner vergangenen Reisen.

Auf meinen Reisen durch Lateinamerika war ich mit dem Rucksack unterwegs, ich fuhr mit den gleichen Bussen wie die Einheimischen, ich aß in den gleichen Restaurants wie die Einheimischen. Ich buchte Dienstleistungen bei kleinen lokalen Anbietern. Ich gab wenig Geld aus, aber es landete direkt bei den "einfachen" Leuten. Ich hatte viel Zeit und ließ mich treiben. Ein ganz erheblicher Reiz meiner Reisen war der Kontakt mit den Einheimischen, die mir in aller Regel freundlich gegenübertraten, die mir von sich erzählten und sich freuten, etwas von mir zu erfahren. Die Einheimischen waren stolz auf ihr Volk, ihr Land, ihre Kultur.

Diese Reise hatten wir wenig Zeit. Alles war vorausgebucht. Unser Geld floss an eine Kette von Veranstaltern und ganz unten dürfte nur wenig angekommen sein. Wir waren von den Einheimischen weitgehend isoliert und gaben in zwei Wochen einen Betrag aus, der für die meisten Leute in Tansania geradezu unvorstellbar ist. Ich weiß nicht, ob ein Teil Interpretation ist, aber wir hatten den Eindruck, dass uns oft Neid entgegengebracht wurde. Die Einheimischen grenzten sich von uns ab und fühlten sich von den Touristen allgemein zu Fotoobjekten, zu Symbolen der Armut degradiert.

So viele tolle Eindrücke diese zwei Wochen auch hinterlassen haben, bleibt es doch eine geteilte Erfahrung. Das Land, die Natur, die Tiere konnten wir erleben, aber nicht die Kultur, nicht die Menschen. Ob das für uns als reiche, weiße Europäer überhaupt möglich ist? Jedenfalls nicht mit zwei Wochen, nicht mit einer solchen Safari.

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© Volker Umpfenbach

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